Gehölze für deutsche Herkunftsgebiete:
gebietseigen, gebietsheimisch, autochthon

 

Autochthon – Was ist das?

„Autochthone Gehölze“ und ihre Bedeutung für die Erhaltung der Gen-Vielfalt!

Industriestaaten bestehen fast vollständig aus Kulturflächen, daher können sich Wildpflanzen immer weniger in Naturräume und ökologische Nischen zurückziehen. Die herkunftsbezogene (autochthone, gebietsheimische, gebietseigene) Pflanzenerzeugung und -verwendung ist deshalb eine vordringliche Aufgabe für Baumschulen, Landschaftsgärtner und Architekten. Die Umweltkonferenz von Rio im Jahre 1992 hat eindringlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, der Zerstörung der Genvielfalt Einhalt zu gebieten. Der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan erklärte (in einer Verlautbarung zum „Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt“) den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Anliegen der gesamten Menschheit.

Dieser dringlichen Aufgabe hat sich Wörlein verantwortungsvoll gestellt. Das Unternehmen hat seine Fachkenntnis bei der Gründung mehrerer EABs in ganz Deutschland aktiv eingebracht. Die EABs sind Erzeugergemeinschaften für autochthone (gebietsheimische, gebietseigene) Pflanzen, die nach dem Marktstrukturgesetz anerkannt wurden.

Bei Lieferungen von heimischen Gehölzen kann Wörlein lückenlos nachweisen, woher die Samen der Pflanzen stammen. Ein neutrales Zertifizierungsbüro führt über die Samenernte und die Auslieferungen Buch, kontrolliert und stellt Zertifikate aus. Gebietsheimisches Saatgut wird von Pflanzen geerntet, die sich ohne menschliches Zutun an einem Standort angesiedelt und sich dort über viele Generationen selbst vermehrt haben.

Solche Pflanzen finden sich beispielsweise in natürlich entstandenen Landschaftshecken und an Waldrändern. Sie zeigen eine hohe Genvielfalt, da sie meist eine große Zahl von Rassen, Sippen oder Subspezies enthalten. Außerdem gibt es viele begleitende Pflanzenarten (z.B. Rosen), die sich bei den in den letzten Jahrzehnten von Menschenhand gepflanzten Feldhecken nicht finden. Aufgrund dieser Gegebenheiten können Fachleute „autochthone“ Herkünfte erkennen und zertifizieren.

Daraus lässt sich eine klare und nachweisbare Definition des Begriffs „autochthon“ (gebietsheimisch, gebietseigen) ableiten:

Pflanzen sind dann „autochthon“, wenn sie aus dem Samen wildwachsender Stammpflanzen vermehrt wurden. Diese Stammpflanzen müssen sich nachweislich ohne menschliche Hilfe in der freien Landschaft angesiedelt haben. Alle auf diese Weise erzeugten Pflanzen gelten in der Folge für die Herkunftsregion und innerhalb des angestammten Verbreitungsgebiets aus dem die Samen stammen als „autochthon“.

 

Die Herkunftsgebiete

familieAutochthone Gehölze kommen bei Wörlein aus exakt definierten Herkunftsgebieten

Pflanzen, die sich in einem zusammenhängenden Naturraum mit ähnlichen Umweltbedingungen wie Höhenlage, Klima, Böden u. ä. verbreitet haben, passen sich im Laufe vieler Generationen an die vorgefundene Umgebung an. Außerdem bestehen viele Inselsituationen, in denen sich evolutionäre Anpassungen beschleunigt einstellen. Bei der Produktion autochthoner Pflanzen ist deshalb die Herkunft des Saatguts der grundlegende Qualitätsaspekt.
Zusammenhängende Regionen, in denen autochthones Saatgut geerntet wird, werden als „Herkunftsgebiet“ bezeichnet.

Die so definierten Herkunftsgebiete wurden auf Basis der wissenschaftlichen Karte der „naturräumlichen Gliederung Deutschlands“ erarbeitet. Sie wurden unter der Federführung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums – Sachgebiet Gartenbau – bundes- und europaweit mit den zuständigen Fachbehörden und Verbänden abgestimmt.

Die Karte der Herkunftsgebiete stellt einerseits sicher, dass die genetische Vielfalt der Regionen erhalten bleibt und andererseits, dass die Baumschulen Mindest-Verkaufszahlen von einigen Tausend Pflanzen erreichen können. Nur dadurch ist die Keimung sichergestellt und eine wirtschaftlich sinnvolle Erzeugung möglich. Kleinmengen können auftragsbezogen vermehrt werden.

Durch die Beachtung der Herkunftsgebiete und der Richtlinien der „Erzeugergemeinschaft Autochthoner Baumschulerzeugnisse“ (EAB) gewährleistet Wörlein, dass

1. das Saatgut von wildwachsenden Mutterpflanzen stammt und die Gehölze genetisch Standort-angepasst sind

2. die Pflanzen auf den jeweiligen heimischen Böden erzeugt werden und dadurch auch in der Wurzelstruktur und in klimatischer Hinsicht angeglichen sind

3. ein neutrales Zertifizierungsbüro die Lieferung hochwertiger autochthoner Pflanzen bestätigt.

Im Streitfall dient die „Erzeugergemeinschaft Autochthoner Baumschulerzeugnisse“ (EAB) als Schlichter und Gutachter. Sie hat ein großes Interesse daran, dass die Mitglieder ihre Erzeugerrichtlinien exakt einhalten. Bei Verstößen wird der Lieferant verwarnt und gegebenenfalls gemaßregelt und bestraft.

Es ist deshalb nur konsequent, autochthone Pflanzen mit ihren zugesicherten Eigenschaften und dem eindeutig definierten Qualitätsstandard als Markenprodukt zu bezeichnen.

Herkunftsgebiete für autochthone Pflanzen in Deutschland:

1 | Nordwestdeutsches Tiefland
2 | Nordostdeutsches Tiefland
3 | Mittel- und ostdeutsches Tief- und Hügelland
4 | Westdeutsches Bergland
5 | Südostdeutsches Hügel- und Bergland
6 | Oberrheingraben
7 | Württembergisch-Fränkisches Hügelland
8 | Schwäbisch-Fränkische Alb
9 | Alpen und Alpenvorland

 

Die gesetzlichen Grundlagen

familieDie Verwendung von autochthonen Pflanzen ist seit dem 29. Juli 2009 durch das Bundesnaturschutz- und Landschaftspflegegesetz vorgeschrieben

Das Naturschutz- und Landschaftspflegegesetz vom 29. Juli 2009 besagt: „Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der freien Natur (ausgenommen sind Land- und Forstwirtschaftliche Flächen) … bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde. Künstlich vermehrte Pflanzen sind nicht gebietsfremd, wenn sie ihren genetischen Ursprung in dem betreffenden Gebiet haben.“

Gehölze und Saatgut sollen vorzugsweise innerhalb des Herkunftsgebiets ausgebracht werden. Ab 1. März 2020 muss die zuständige Behörde eine ausdrückliche Genehmigung aussprechen, wenn in der freien Natur nicht-autochthone bzw. nicht-gebietseigene Pflanzen gepflanzt werden sollen.

Autochthone Pflanzen von Wörlein haben große Vorteile

Autochthone Pflanzen mit EAB-Zertifikat haben einen hohen inneren Wert durch ihre große genetische Vielfalt. Die Verwender handeln nicht nur gesetzeskonform, sondern in hohem Maße auch ökologisch verantwortungsvoll. Unzertifiziertes Pflanzgut führt oft zwangsläufig zu einer Florenverfälschung. Gut gemeinte Umwelt-Maßnahmen können sich dann ins Gegenteil verkehren.

Untersuchungen haben in mehreren Fällen klar gezeigt, dass die Verwendung autochthoner Pflanzen auch bei höheren Einstandspreisen empfehlenswert ist. Die genetische Anpassung, aber auch kurze Transportwege und Lagerzeiten bringen gute Anwachsergebnisse. Die geringeren Nachpflanz- und Pflegekosten wiegen den etwas höheren Einstandspreis auf.

Die Sicherheit bei Wörlein durch EAB-Zertifizierung

Die EABs sind Erzeugergemeinschaften für autochthone Baumschulpflanzen, die nach dem Marktstrukturgesetz anerkannt wurden. Satzung und Erzeugerregeln wurden mit den zuständigen Fachbehörden in einem aufwendigen Prozess über mehrere Jahre erarbeitet und dann national und international genehmigt. Wörlein hat an diesem Verfahren maßgeblich mitgewirkt.

Eine wirksame Methode zur transparenten Qualitätssicherung ist das EAB-Mehrstufensystem. Baumschulen können sich entweder als Saatgutbetrieb, als Jungpflanzenbetrieb oder als Gehölzbaumschule an der EAB beteiligen. Vom Samen bis zur verkauften Pflanze durchläuft das Gehölz mehrere Kontrollstellen und verschiedene Betriebe. Die exakte Protokollierung aller Abläufe und die Kontrolle durch ein neutrales Zertifizierungsbüro garantiert Kunden einwandfreie autochthone Produkte. Die EAB unterliegt der Kontrolle der zuständigen Fachbehörde.

Wörlein bezieht von der EAB zertifizierte Jungpflanzen, erzeugt autochthone Bäume und Sträucher für Wiederverkäufer und Endabnehmer.

Abb.: Ablaufdiagramm von der Bedarfsermittlung bis zur Festlegung der Wuchsgebiete

 

Der einfache Kauf autochthoner Pflanzen bei Wörlein

Der Einkauf von autochthonen Gehölzen ist denkbar einfach:
– Bestände im Internet „www.autochthon.de“ einsehen oder
– ggf. aktuellen Bestand bei Wörlein per E-Mail abrufen
– Pflanzenliste mit gebietsheimischen Pflanzen erstellen
– nach EAB-Regeln kaufen
– Zertifizierungsurkunde in Empfang nehmen

Fragen zu Qualität und Zertifizierung beantwortet gerne das Büro
Dr. Steffen Waldenmaier, Hofmark 24, 84174 Eching-Kronwinkl,
post@gruenplan-waldenmeier.de